Unsere Rede zum 8. Mai

gehalten am 08.05.2015 bei „Die Welt zu Gast auf dem Nikolaikirchhof“ des Bündnis 8. Mai:

Ich freue mich, dass soviele Menschen der Einladung des „Bündnis 8ter Mai“ gefolgt sind, um hier und heute mit uns den 70. Jahrestag der Befreiung der Menschheit vom nationalsozialistischen Terrorregime zu feiern!

Wir vom Netzwerk gegen Islamfeindlichkeit und Rassismus freuen uns außerdem darüber, dass die rassistische Organisation „Legida“, bei der immer auch Neonazis dabei waren, vorerst die Aufmärsche in Leipzig eingestellt hat. Dies ist auch ein Erfolg des kontinuierlichen Gegenprotests, der über Monate hinweg, gezeigt hat, dass Rassismus hier nicht unwidersprochen bleibt.

Durch das vielfältige Engagement von unterschiedlichen Vereinen und Initiativen, von Parteien, Kirchen und Gewerkschaften, Leipzigerinnen, Leipzigern und vieler Unterstützenden aus dem Umland konnte immer wieder ein deutliches Zeichen gesetzt werden: Jede einzelne Demonstration oder Kundgebung von Legida wurde durch eine Überzahl friedlicher Protestteilnehmender laut und deutlich widersprochen!

Glücklicherweise findet offen vorgetragene nationalsozialistische Propaganda heutzutage keine breite Unterstützung mehr, die NPD ist aus dem sächsischen Parlament verschwunden, das Nazizentrum in der Odermannstraße ist mittlerweile geschlossen.

Dennoch ist es falsch, die aktuellen Zustände in Leipzig schönzureden und fahrlässig, ein Ende Legidas zu feiern.

Ideologien der Ungleichwertigkeit, Rassismus, Hetze gegen Geflüchtete, Migrant_innen und Menschen mit Migrationshintergrund findet leider auch jenseits der Legida-Märsche statt.

Nicht nur repräsentative Studien weisen auf dieses schwelende Problemfeld in unserer Gesellschaft hin. Der Anschlag mit blutigen Schweineköpfen auf das geplante Baugelände der Ahmadiyya-Moschee in Gohlis, die letztjährigen „Montagsmahnwachen“ unter dem Motto „Friedliche Revolution“, auf denen Rechtsradikale und Antisemit_innen redeten und nicht zuletzt die Wahlergebnisse für rechte Parteien zeigen dies überdeutlich auf.

Aktuelle Forderungen wie die Einschränkung der Religionsfreiheit für Muslim_innen im politischen Wahlkampf, die Kriminalisierung von Menschen, die zu friedlichen Aktionen der Zivilcourage gegen Rassist_innen aufrufen und Gewaltdrohungen gegen Geflüchtete, Demokrat_innen und Journalist_innen seit Beginn diesen Jahres lassen die Behauptung „Leipzig sei eine weltoffene und tolerante Stadt“ bloß wie ein ein schönes Versprechen erscheinen.

Im Zuge der Legida-Proteste haben viele Initiativen, Vereine, Religionsgemeinschaften und unzählige Unterstützer_innen gezeigt, wie wichtig eine solidarische Zivilgesellschaft für uns alle ist, die wir in dieser Stadt leben! Legida hat angekündigt nun auf die Orte im Leipziger Umland ausweichen zu wollen, um dort ein leichteres Ziel zu haben ihre menschenverachtenden Inhalte zu verbreiten. Dabei dürfen wir die Menschen in Borna, Wurzen, Bitterfeld und andernorts nicht alleine lassen. Auch scheint es hier in Leipzig nur eine kurze Pause zu sein, denn Legida will zurückkehren. Aber auch wenn Legida irgendwann vollständig von unseren Straßen verschwunden sein wird, die Ressentiments und Vorurteile in den Köpfen der Menschen bleiben.

Deshalb liegt es an jeder und jedem Einzelnen von uns Rassismus und Ungleichwertigkeiten zu widersprechen.
Lassen Sie uns gemeinsam daran arbeiten, dass damit das Versprechen einer weltoffenen und toleranten Stadt eines Tages Wirklichkeit werden kann!

Nicht nur heute haben wir die Gelegenheit, ins Gespräch zu kommen, Gemeinsamkeiten zu finden und so miteinander eine gerechtere Zukunft zu gestalten. Nur wir alle zusammen können ein starkes Signal aussenden: Wir werden uns allen Menschenfeinden entschlossen widersetzen! Für eine solidarische Gesellschaft – gegen Islamfeindlichkeit und Rassismus! 

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